Geliebte
Begehren, Leidenschaft, Inszenierungen von Treffen, Begegnungen und Lust, Sehnsucht – das ist der Dreh- und Angelpunkt der besonderen Art von Beziehung. Doch kann eine Geliebte, will eine Geliebte ewig nur die 2. Geige spielen?
Alleine der Bezeichnung Geliebte hat etwas Altbackenes und klingt nach den billigen Frauen aus Fernsehfilmen, die einem suggerieren, es wäre gefährlich, man begegnet der Geliebten immer mit erhobenem Zeigefinger. Somit wird es Zeit, den Begriff „Geliebte“ abzustauben, denn längst sind nicht alle Frauen, die „bösen“ und noch ein Klischee sollte, abgeschafft werden, sie kommen nämlich in allen Gesellschaftsschichten vor.
Es erwischt die unterschiedlichsten Frauen – meistens sogar die, die immer am lautesten über die „anderen“ geredet haben und sich schworen: Niemals einen verheirateten Mann.
Leider gibt es keine zuverlässigen Statistiken, ob die Zahl der Geliebten wächst oder sinkt – es war noch nie so leicht, eine Geliebte zu finden, sogar das Internet preist sie förmlich an. Seit es Handys gibt, ist auch die ganze Planerei einfacher geworden. Der Preis für das Leben als Geliebte ist jedoch nicht das Leben, sondern die Freiheit, die man doch ach so gerne hätte. Alles ist vorgeschrieben, man kann nicht anrufen, wann man möchte, man kann sich nicht um den anderen sorgen, wenn er krank ist. Plötzlich bekommt man seinen Tagesablauf nicht nur von zwei, sondern drei Menschen vordiktiert, an die man sich gefälligst halten muss.
Ein geheimnisumwobenes Paar zieht sich an, wie Magneten – es schürt Begehren, weil man sich nicht jeden Tag sehen kann.
Doch mit einem Mann keinen Alltag zu haben, hat zweifelsohne auch Vorteile: Kein Schnarchen, keine Barthaare im Waschbecken, kein Fußball am Samstag… Man begegnet sich nicht im Schlabberlook, sondern putzt sich heraus, macht sich zurecht, bereitet Überraschungen vor, verbringt die wenigen Momente viel intensiver, leidenschaftlicher, lustvoller. Bis zu einem gewissen Punkt also eher ein Gewinn, als ein Verlust.
Eine Geliebte kann ausleben, erleben, was sie möchte, ohne dass der andere Forderungen stellen kann. Es lebe die Freiheit – und doch schwindet genau diese, weil man sich selbst (nicht immer) beginnt, zu versklaven.

