Einsam
Es ist immer dasselbe Spiel: Man sehnt sich nach dem, was man nicht hat. Lebt man in einer turbulenten Familie und hat kaum eine ruhige Minute für sich selbst, beneidet man Singles um die Zeit, die sie mit sich alleine verbringen können.
Ist man Single, hat man Momente, in denen man sich nichts sehnlicher wünscht, als das bunte Treiben einer Familie um sich herum. Ähnlich verhält es sich mit Liebesbeziehungen. Hat man eine, fühlt man sich manchmal um die fehlende Zeit für eigene Bedürfnisse betrogen – hat man keine, sehnt man sich nach Zweisamkeit. Einsamkeit ist schwer zu ertragen und selbst Menschen, die sich gerne als Einzelgänger sehen, brauchen ab und zu die Gesellschaft von lieben Menschen um sich herum. Der Mensch ist nicht dazu geboren, alleine zu sein, auch wenn es rein physikalisch und biologisch möglich ist. Die Chemie sorgt dafür, dass wir uns nach einem Menschen sehnen, der zu uns gehört und mit dem wir ein Stück gemeinsames Leben gestalten können. Selbst bei überzeugten Singles schlägt die Chemie immer wieder zu, denn sonst gäbe es keine One-Night-Stands, oder das, was man gern als unverbindlichen Sex bezeichnet. Es geht aber nicht nur um die Befriedigung der sexuellen Lust, wenn sich Singles eine Begleitung für ein paar Stunden oder Tage suchen. Es geht auch um die Befriedigung des Bedürfnisses nach seelischer Nähe. Gute Freunde können einiges auffangen, Kollegen bekommen auch etwas ab – und wenn es sein muss, kann man mit seinem Therapeuten über alles reden. Aber wenigstens ab und zu einen Menschen zu haben, mit dem man Nähe und Geborgenheit genießen kann, das braucht jeder Mensch. Hat man zu wenig davon, fühlt man sich einsam. Zu viel Einsamkeit kann sogar krank machen, genauso wie auch zu viel Stress nicht gesund ist. Am besten ist es, man sorgt für eine gesunde Mischung.

